2008 Bodegas Jimenez Landi Sotorrondero (Rotwein, Spanien)
Punktebewertungen von Weinen bieten für viele Fans eine interessante Grundlage, um sowohl die „Spreu vom Weizen“ zu trennen als auch die eigene Suche nach gutem Wein zu fokussieren. Natürlich können dabei auch wunderbare Tropfen auf der Strecke bleiben. Entweder weil sie gar keine Bewertung haben oder aber eine unangemessen schlechte Bewertung erhielten. So sollte man nie nur „Punkte trinken“, sondern auch nach eigenem Geschmack herum probieren. Ich denke, der Mix aus beiden Vorgehensweisen ist eine gute Methode, um den eigenen Geschmack besser kennen zu lernen. Aber ich schweife ab: 90 Punkte sind für viele Weintrinker eine magische Grenze. Alles darunter zählt häufig (zu Unrecht) nicht mehr. Und wo es bei 90-Punkte-Weinen noch reichlich Auswahl zu erschwinglichen Preisen gibt, wird darüber die Luft schon erheblich dünner. Z.B. markieren 93 Punkte meist eine andere Liga von Wein und häufig auch ein anderes Preissegment. Hier richtig gute Tipps zu finden ist schwierig. Heutige Empfehlung jedoch zeigt, es ist nicht unmöglich.
Der Sotorrondero der Bodegas Jimenez Landi ist in vieler Hinsicht ein Ausnahmenwein. Seine Qualität ist für die vom empfohlenen Händler aufgerufenen 12,90 EUR unglaublich hoch und zudem stammt der Wein aus einer kleinen und eher unbekannten D.O. Spaniens. Méntrida liegt südwestlich von Madrid. Die Kritikerin Jancis Robinson z.B. hält die Region insgesamt gesehen für nicht D.O.-würdig. Zu schlecht sei das Gesamtniveau der Gegend.
Allerdings bezweifeln weder sie noch Jay Miller (Wine Advocate), dass es große Ausnahmen gibt. Einige Pioniere der Gegend beweisen mit Nachdruck, wie man das Image von Méntrida aufpolieren kann. Die Gebrüder Jimenez-Landi sind seit 2004 solche Pioniere und mit ihrem 2008er Sontorrondero beflügeln sie Jay Miller zu der Aussage: „This hedonist’s delight is an incredible value“. Zudem vergleicht er den Wein mit einem Côte Rôtie auf Spitzenniveau – ein Wein, der durchaus das 10-fache kosten können.
Die Bodegas Jimenez-Landi bewirtschaftet insgesamt 27ha Rebfläche – streng nach bio-dynamischen Grundsätzen. Nach Ansicht der zwei Brüder kann nur so den Trauben die Charakteristik von Boden, Klima, Erde und Himmel verliehen werden. Mit Sicherheit schwingt hier auch ein wenig Esoterik mit, doch erreicht die Bodega durch diese naturnahe Vorgehensweise wunderbare Qualitäten. Selbstverständlich kommt diese überdurchschnittliche Güte auch durch den sorgfältigen Vinifikationsprozess zustande. Die Trauben werden per Hand streng selektioniert und nach dem abschließendem Ausbau in französischer Eiche ungefiltert in Flaschen gefüllt.
Der Sotorrondero ist der eindrucksvolle Beweis dafür, dass sich der hohe Aufwand gelohnt hat. Der Wein ist eine eher ungewöhnliche Cuvée, denn sie besteht aus 85% Syrah und nur aus 15% der in der Gegend so populären Grenache-Traube. Ein Experiment, das vollends gelingt. Wie schon Jay Miller festgestellt hat, erinnert der Wein mehr an einen reinrassigen Syrah von der nördliche Rhône als an einen Spanier.

Den günstigen Preis des Sotorrondero verdanken wir der Tatsache, dass Méntrida noch einiges an positivem Image aufbauen muss, um in der Liga anderer D.O.’s mitspielen zu können. Zugpferde wie Jimenez Landi werden dabei eine große Rolle spielen können und sollten auch von anderen Bodegas der Gegend als Vorbild genommen werden.
Die heutige Empfehlung hat zwar ein höheres Preisschild als der zuletzt empfohlene Grieche, befindet sich jedoch auch auf spürbar anderem Niveau. Der Schlüsselbegriff ist „Komplexität“. Die Vielschichtigkeit sowohl an der Nase als auch am Gaumen ist eine völlig andere Geschichte. Der Sotorrondero ist nicht der Wein zum „Nebenhertrinken“, es ist ein Wein mit dem man sich beschäftigen möchte und über den man sich austauschen möchte.
Aus meiner Sicht ist der Kauf dieses Weins eine seltene Möglichkeit, zu einem vergleichsweise kleinen Preis höchstem Weinanspruch zu genügen.
2008 Bodegas Jimenez Landi Sotorrondero (Rotwein, Spanien)
Auge: Violett.
Nase: Ätherischer und sexy Duft nach Rauch, schwarzen Himbeeren, Heidelbeeren, Speck und Räucherstäbchen.
Gaumen: Opulent mit seidiger Textur und bereits großer Komplexität.
Sonstiges: Bis 2020 zu trinken. Besteht aus 85% Syrah und 15% Grenache. Der Wein wurde 10 Monate in Barrique-Fässern ausgebaut.
93 Punkte
(Quelle: Wine Advocate, Jay Miller, April 2010)
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Stand: 05.08.2010.
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